Befinden sich außerirdische Superzivilisationen im Tiefschlaf?

Symbolbild: Im Prequel der Alien-Filmreihe „Prometheus“ überdauern außerirdische „Konstrukteure“ der Menschheit im künstlichen Tiefschlaf.

Oxford (Großbritannien) – Die Wahrscheinlichkeit sagt uns, dass es eigentlich zahlreiche weitere, technologisch entwickelte Zivilisationen im Universum geben und diese sich auch bereits kolonialisierend ausgebreitet haben sollten. Doch wenn dem so ist, warum haben wir diese dann (zumindest offiziell…) noch nicht entdeckt? Diese Frage wird mit dem sogenannten Fermi-Paradoxon beschrieben und seit den 1960er Jahren immer wieder kontrovers diskutiert. Jetzt haben Oxford-Wissenschaftler eine weitere mögliche Antwort zumindest theoretisch erörtert.

Wie Anders Sandberg und Kollegen vom Future of Humanity Institute an der ehrenwerten Oxford University vorab via ArXiv.org berichten, könnte eine Erklärung für die sogenannte „Große Stille“ (mit dem nicht nur die bisherige Nicht-Entdeckung außerirdischer Signale und Botschaften, sondern auch sonstiger eindeutiger Hinweise auf außerirdische Zivilisationen gemeint ist) darin liegen, dass solche Zivilisationen zwar existieren, diese sich aber absichtlich in eine Art kosmischen und über Äonen andauernden Winterschlaf versetzt haben.

Der Grund für diese Entscheidung könnte in der Erkenntnis dieser hochentwickelten Superzivilisationen liegen, dass unter den derzeitigen Bedingungen des Universums der für eine Hochtechnologie benötigte, Energieverbrauch höher ist als in ferner Zukunft.

Grundlage für diese zunächst verwirrende Überlegung sind unter anderem die Gesetze der Thermodynamik und deren Konsequenzen für die notwendige Rechenleistung (Computerisierung) einer technologischen Super-Zivilisation. Kurz: Je mehr Rechenleistung zum Erhalt und Fortschritt benötigt wird, desto größer ist auch der damit verbundene Energiebedarf. Tatsächlich stehen die Kosten bzw. der Aufwand einer derartigen „Computerisierung“ in einem proportionalen Verhältnis zur Temperatur – und unser bisheriges astrophysikalisches und kosmologisches Verständnis legt nahe, dass sich das Universum mit der Zeit mehr und mehr abkühlt. Je kühler also das Universum, desto leichter und einfacher fällt auch die beschriebene Computerisierung.

„Eine Zivilisation, die also das Ziel hat, bestimmte notwendige Rechenleistungen zu maximieren, könnte also durchaus nach Wegen suchen, ihre technischen Möglichkeiten erst so spät wie möglich auszuschöpfen“, so die Autoren der theoretischen Überlegung. „Würden Sie Ihre zwar vielleicht schon jetzt zur Verfügung stehenden technischen Möglichkeiten auch schon jetzt aufwenden und damit verbrauchen, erhielten sie ‚heute‘ deutlich weniger an maximal möglicher Rechenleistung als in einer fernen Zukunft. Deshalb wäre es durchaus vorstellbar, dass eine solche Zivilisation sich absichtlich in eine Art Tief- oder Winterschlaf begibt, um in einer fernen Zukunft ihre Ressourcen viel effizienter nutzen zu können.“

Träfe dies zu, dann läge der Grund, weshalb wir bislang noch keine Außerirdischen entdeckt haben darin, dass deren Expansionsphase vielleicht nur kurz und sporadisch war, diese Zivilisationen sich derzeit jedoch in ihrer ruhenden Phase befinden und irgendwo passiv und kompakt sozusagen schlummern.“

 

Zusammengefasst sagt die Studie also, dass sehr große bzw. hochentwickelte Zivilisationen bislang vielleicht nur deshalb keine und geringe Spuren hinterlassen haben, weil sie den Großteil ihrer Aktivitäten in die ferne Zukunft verlagert haben. Derartige Zivilisationen haben, so die Autoren, vielleicht „schon alles gesehen“ und „sehen im Verbleib in einer vergleichsweise frühen Phase ihrer Entwicklung keinen Sinn und Gewinn“.

Deshalb könnten entsprechende Zivilisationen also einen Weg gefunden haben, sich kollektiv in eine Art Winterschlaf zu versetzen oder auf irgendeine Art und Weise ihre „mentale Geschwindigkeit“ zu reduzieren, um mit der Aussicht auf eine effizientere Zukunft auf diese Weise große Zeitphasen möglichst unbeschadet zu überstehen.

Eine Entsprechung für diese Überlegung finden wir schon heute in der Medizin, wenn mit der sogenannten Kryonik nach Wegen gesucht wird, wie todkranke Menschen heute bei noch lebendigem Leibe oder unmittelbar nach dem Tod in der Hoffnung tiefgefroren werden, in einer vielleicht nicht all zu fernen Zukunft, in der ihre Krankheit heilbar sein wird, wieder zum Leben erweckt zu werden.

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Bergarbeiter finden 110 Mio. Jahre alte versteinerte „Dino-Mumie“

„Wie ein schlafender Drache“, wirkt das nahezu lebensecht erhaltene Fossil eines in Kanada gefundenen Nodosaurus.
Klicken Sie auf die Bildmitte, um zu einer Bildergalerie weiterer Detailansichten des Fossils zu gelangen.

Drumheller (Kanada) – Ist die rede von Dinosaurierfossilien, so denken wir bestenfalls an vollständig erhaltene Skelette, also versteinerte Knochen als letzte Überreste der Urzeit-Echsen. Bei Arbeiten in einer kanadischen Mine haben Arbeiter nun jedoch einen wahrhaftigen Sensationsfund gemacht: Eine regelrecht versteinerte „Mumie“ zeigt einen sogenannten Nodosaurus nahezu lebensecht bzw. wie eine steinerne Statue.

Wie die Paläonthologen um Mark Mitchell vom Royal Tyrrell Museum of Paleontology aktuell und exklusiv in der Juni-Ausgabe von „National Geographic“ berichten, stammt der Fund aus der sogenannte „Millenium Mine“ in der kanadischen Provinz Alberta. Das Fossil zeigt, die Haut- und Panzerschuppen des Nodosaurus in bislang unbekannter, nahezu lebensechter Qualität (s. Abb.).

Entdeckt wurde die fossilierte Außenhaut und Panzerung des Sauriers im Innern eines kleinen „Einschlagskraters“, anhand dessen die Wissenschaftler auch rekonstruieren konnten, wie es zu der ungewöhnlich guten Versteinerung kommen konnte.

 

 

Eine auf der Grundlage des Fundes erstelle Rekomstruktion des Nodosaurus (Illu.).
Copyright: Manuel Canales, NGM Staff; Patricia Healy. Art: Davide Bonadonna. Sources: Caleb Marshall Brown and Donald Henderson, Royal Tyrell Museum of Palaeontology; Jakob Vinther; C. R. Scotese, Paleomap Project

Der etwa 5,5 Meter lange und einst ca. 1,1 Tonnen schwere Nodosaurus lebte einst an Land entlang der ehemaligen Küste des heutigen Kanadas. Als das Tier starb muss es wohl ins Meer gefallen und der Kadaver hier zunächst aufs offene Wasser getrieben sein. Wäre das Tier an Land gestorben und dort verwest, hätte sich sein Körper wohl nicht derart gut erhalten können. Stattdessen kam es offenbar dazu, dass Bakterien das organische Innere des von der starken Keratinhaut und Panzerschuppen umgebenen Körpers schneller zersetzten als besagte Außenhaut und sich der Kadaver dadurch vermutlich stark genug aufblähte, damit er aufs offene Meer hinaustrieb und irgendwann buchstäblich Platzte. Ähnliche Prozesse lassen sich heute noch bei Wal-Kadavern beobachten. In Folge dieses Ereignisses sank der schwere Körper dann sehr schnell auf den Ozeangrund, wo er den besagten „Krater“ schlug und so sehr schnell von den hierbei freigesetzten Sedimenten wieder bedeckt und auf diese Weise zugleich konserviert wurde und versteinerte.

Jetzt hoffen die Wissenschaftler, dass sich neben Außenhaut und Panzerung, die offenbar vergleichsweise schnell fossilierten, im Innern auch Organe erhalten haben könnten. Weitere Untersuchungen und Scans sollen dies schon bald offenbaren. Zudem ist ein Fachartikel, der den Fund genauestens beschreibt, in Arbeit.

 

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Suche nach künstlichen Mega-Bauwerken um nahe Pulsare

Der Vela Pulsar, ein Neutronenstrn, der nach einer Supernova-Explosion übriggeblieben ist

Tbilissi (Georgien) – Die Idee gewaltiger künstlicher Strukturen, mit denen ferne Superzivilisationen die Energie ihres Stern direkt anzapfen könnten, wurde erstmals in den 1960er Jahren von Freeman Dyson und Nikolai Kardaschow in Form sogenannter Dyson-Strukturen formuliert und wird seit 2015 am Beispiel des einzigartigen Lichtmusters des fernen Stern als eine potentielle Erklärung dafür diskutiert (…GreWi berichtete). Jetzt vermutet ein georgischer Astronom, dass wir bislang an den falschen Orten nach derartigen künstlichen Megastrukturen gesucht haben.

Während bislang lediglich Sterne nach Hinweisen auf mögliche Dysons-Strukturen (Dyson-Sphären oder –Schwärme) untersucht wurden, erläutert Prof. Zaza Osmanov von der Freien Universität Tbilissi in einem vorab via ArXiv.org, dass genau dies der Grund sein könnte, weshalb wir bislang keine derartigen Strukturen entdeckt haben.

Schon im vergangenen Jahr veröffentlichte Osmanov einen Fachartikel, in dem er den bisherigen Vorstellungen von Dyson-Strukturen als ganze Sphärenschalen oder Schwärmen widerspricht und erläutert, warum entsprechend entwickelte Zivilisationen vermutlich viel eher ringförmige Strukturen zur direkten Energiegewinnung um ihr Zentralgestirn herum bevorzugen könnten.

Statt um Sterne, vermutet der Astronom darüber hinaus, dass Pulsare – also schnell rotierende Neutronensterne – die sehr viel effizienteren Objekte für derartige Bauwerke wären und errechnete zudem die notwendigen Dimensionen dieser Strukturen in Abhängigkeit der Rotationsgeschwindigkeit ihrer Pulsare.

In seinem aktuellen Artikel führt Osmanov nun aus, wie die von ihm beschriebenen Megastrukturen – so sie existieren – auch gefunden werden könnten.

Dies könnte demnach durch die Entdeckung bestimmter Energiesignaturen im infraroten Spektrum geschehen und beschreibt Verfahren, die schon mit heute vorhandenen Instrumenten entsprechende infrarote Strahlung im uns unmittelbar umgebenden lokalen Universum finden könnten.

Die bisherigern Berechnungen von Kardashow zugrundeliegend, wonach eine Dyson-Sphäre einen Abstand von rund einer Astronomischen Einheit (AE/AE = Abstand zw. Erde und Sonne) zu seinem Stern haben und damit innerhalb dessen habitabler Zone liegen müsste und die Strukturen damit bei Temperaturen von 200 bis 300 Kelvin im infraroten Spektrum sichtbar machen würde, verlagert auch Osmanov entsprechende Strukturen in die habitable Zone vergleichsweise langsam rotierender Pulsare – Pulsare also mit einer Rotationsperiode von etwa einer halben Sekunde.

 

Laut Osmanovs Berechnungen würde eine ringförmige Struktur mit entsprechender Distanz zu ihrem Pulsar Temperaturen von etwa 390 Kelvin (116.85 °C) abstrahlen, wäre damit als solche im Infrarotspektrum sichtbar und schon heute etwa mit dem Very Large Telescope Interferometer (VLTI) oder dem Wide-field Infrared Survey Explorer (WISE) auffindbar, die auf diese Weise Distanzen von bis zu 652 Lichtjahren absuchen könnten.

Innerhalb von 0,2 Kiloparsec (kpc; 1 Parsec = 3,26 Lichtjahre) Distanzen vermutet der Wissenschafter 64 ± 21 derart untersuchbare Pulsare. Würde dieser Radius mit Hilfe zukünftiger IR-Teleskope auf bis zu 1 kpc ausgedehnt, lägen schon 1600 ± 530 in unserer optischen Reichweite.

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Erinnerungen an Nahtoderfahrungen sind „realer als real“

Detail aus „Der Flug zum Himmel“ (Hieronymus Bosch, etwa 1500).

Charlottesville (USA) – Ein wiederkehrendes Merkmal von Erinnerungen an Nahtoderfahrungen ist die Charakterisierung dieser Wahrnehmungen durch die Zeugen als „absolut real“ oder gar „wirklicher als die Wirklichkeit.“ Zwei langjährige Erforscher von Nahtoderfahrungen haben diese Beschreibungen nun mit einer Studie überprüft – mit einem erstaunlichen Ergebnis.

Wie Dr. Bruce Greyson vom Department of Psychiatry and Neurobehavioral Sciences an der University of Virginia und der Nahtodforscher Lauren Moore aktuell im Fachjournal „Consciousness and Cognition“ (DOI: 10.1016/j.concog.2017.03.003) berichten, sind „Nahtoderfahrungen meist sehr lebhafte, lebensverändernde Erfahrungen von Menschen, die dem Tode sehr nahe gekommen sind.“

Skeptiker einer metaphysischen Deutung derartiger Erfahrungen und Erlebnisse verweisen gerne auf dem Umstand, dass sog. Nahtoderfahrungen meist in Verbindung zu Situationen entstehen, in denen die Patienten einen Herzstillstand erlitten haben, wie er oft mit kurzfristigem Gedächtnisverlust erinhergeht, unter Einfluss von – teilweise sogar potentiell psychoaktiven – Medikamenten und grundsätzlich traumatischen Faktoren standen. Hinzu erinnern sie viele Nahtodzeugen erst vergleichsweise lange Zeit später an ihre Erlebnisse – ein Faktor, der für gewöhnlich die Lebendigkeit von Erinnerungen reduziert.

„Im Gegensatz zu derartigen Zweifeln, stellen die Zeugen selbst die Wahrhaftigkeit ihrer Erlebnisse nur höchst selten in Frage – beschreiben diese sogar für gewöhnlich als ‚realer als real‘ oder ‚realer als alles, was ich jemals erlebt hatte’“, erläutern die Autoren.

Um gerade diese Beschreibungen und damit die Frage zu untersuchen, ob es sich bei Nahtoderfahungen also um erfundene Erinnerungen oder reale Ereignisse handelt, befragten Greyson und Moore 122 Überlebende einer mit einer Nahtoderfahrung einhergehenden Nahtodsituation auf der Grundlage eines sog. Memory Characteristics Questionnaire (MCQ) mit dem sonst die Eigenschaften von falschen Erinnerungen untersucht und überprüft werden.

Die Teilnehmer an der Studie sollten den MCQ für drei unterschiedliche Arten von Erinnerungen ausfüllen: Die eigenen Nahtoderfahrung. Die Erinnerung an ein belegtes „reales“ Ereignis in zeitlicher Nähe zur Nahtoderfahrung und an eine in etwa zu gleichen Zeit spielende erfundene Erinnerung. Der Test basiert auf früheren Beobachtungen und Untersuchungsergebnissen, wonach Erinnerungen an reale Ereignisse meist mehr Wahrnehmungsinformationen (wie etwa an Farben oder Töne) und mehr kontextbezogene Informationen (Erinnerungen an die zeitliche und räumliche Umgebung), zudem mehr bedeutende und unterstützende Details (wie emotionale Informationen), dafür aber deutlich weniger bizarre Elemente beinhalten.

Das Ergebnis: Die MCQ-Werte der Erinnerungen an das Nahtoderlebnis lagen über denen an das „reale“ Ereignis, welches wiederum jenes der erfundenen Erinnerungen übertraf.

„Unsere Ergebnisse und Daten legen nahe, dass Erinnerungen an Nahtoderfahrungen von den Zeugen tatsächlich als realer als reale oder erfundene Ereignisse wahrgenommen werden. Die Ergebnisse zeigen, dass Nahtoderfahrungen nicht mit erfundenen (also falschen) Erinnerungen verglichen werden können“, so Moore und Greyson abschließend.

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Wiege der Menschheit lag in Südosteuropa – nicht in Afrika

Diese wissenschaftliche Illustration zeigt „El Graeco“ (Graecopithecus freybergi) vor 7,2 Millionen Jahren in einer staubbelasteten Savannen-Landschaft im Athener Becken. Der Blick weist von der Fundstelle El Graecos, Pyrgos Vassilissis, nach Südost über die von einer roter Wolke mit Sahara-Staub bedeckte Athener Ebene; im Hintergrund das Hymettos Gebirge und der Lykabettos Berg.
Copyright/Quelle: Velizar Simeonovski / uni-tuebingen.de

Tübingen (Deutschland) – Nicht in Afrika, sondern auf dem Balkan haben Wissenschaftler Hinweise auf eine 7,2 Millionen Jahre alte Vormenschen-Art gefunden und rütteln damit an der bisherigen Lehrmeinung über Afrika als sogenannte „Wiege der Menschheit“ und vermuten zugleich, dass sich die Entwicklungslinien von Schimpansen und Menschen hier möglicherweise mehrere hunderttausend Jahre früher getrennt haben als bislang angenommen.

Wie das Team um Professorin Madelaine Böhme vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen und Nikolai Spassov von der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften aktuell in zwei zeitgleich erschienen Publikationen im Fachjournal „Plos One“ (DOI: 10.1371/journal.pone.0177347 / DOI: 10.1371/journal.pone.0177127) berichtet, haben sie zwei Fossilfunde des Graecopithecus freybergi mit modernsten Methoden untersucht und sind dabei zu dem Ergebnis gekommen, „dass es sich um eine bisher unbekannte Vormenschenart handelt.“

Auf der Grundlage dieser Schlussfolgerung vermuten die Wissenschaftler zudem, „dass die Abspaltung der menschlichen Linie im östlichen Mittelmeerraum stattgefunden hat und nicht – wie bisher vielfach angenommen – in Afrika.“

Die Frage, wann sich der nächste, heute noch lebende Verwandte des Menschen, der Schimpanse, vom Meschen trennte, bzw. wann also ihr letzter gemeinsamer Vorfahr lebte, ist von jeher ein zentrales und höchst umstrittenes Forschungsthema der Paläoanthropologie: „Bislang nimmt die Forschung an, dass sich die Linien vor fünf bis sieben Millionen Jahren trennten und die erste Vormenschenart im heutigen Afrika entstand“, erläutert die Pressemitteilung der Universität Tübingen und führt dazu weiter aus: „Nach der Theorie des französischen Paläoanthropologen Ives Coppens von 1994 könnten dabei Klimaveränderungen in Ostafrika eine entscheidende Rolle gespielt haben. Mit der neuen Studie entwirft das Forscherteam aus Deutschland, Bulgarien, Griechenland, Kanada, Frankreich und Australien nun ein völlig anderes Szenario für die früheste Menschheitsgeschichte.“

Im Rahmen ihrer Studie untersuchten die Forscher um Böhme und Spassov die beiden einzigen bekannten Funde des Hominiden Graecopithecus freybergi: einen Unterkiefer aus Grabungen in Griechenland sowie einen Zahn aus Bulgarien. „Mittels Computertomografie machten die Forscher die interne Struktur der Fossilien sichtbar und zeigten, dass die Wurzeln der Vorbackenzähne weitgehend verschmolzen waren.“

Unter anderem genau dieser Umstand unterscheidet nun jedoch Menschen, Urmenschen und einige Urmenschenarten (Ardipithecus und Australopithecus) von Menschenaffen, die üblicherweise zwei oder drei getrennte Zahnwurzeln besitzen.


Unterkiefer des 7,175 Millionen Jahre alten Graecopithecus freybergi (El Graeco) aus Pyrgos Vassilissis, Griechenland (heutiges Stadtgebiet von Athen).

Der auf die Bezeichnung „El Graeco“ getaufte Unterkiefer (s. Abb.) weise darüber hinaus auch noch weitere Merkmale an Zahnwurzeln auf, die nach Einschätzung der Experten nun darauf hindeuten, dass es sich bei Graecopithecus um einen Vertreter der Vormenschen (Tribus Hominini) handeln könnte. „Wir waren von unseren Ergebnissen selbst überrascht, denn bislang waren Vormenschen ausschließlich aus Afrika südlich der Sahara bekannt“, erklärt der Tübinger Doktorand Jochen Fuss, der diese Untersuchung durchführte.

Darüber hinaus datierten die Wissenschaftler das Alter des Graecopithecus mehrere hunderttausend Jahre vor dem bisher als frühesten potenziellen afrikanischen Vormenschen, der sechs bis sieben Millionen Jahre alte Sahelanthropus aus dem Tschad.

Aufgrund der sedimentären Abfolgen der Fundstellen in Griechenland und Bulgarien kommen die Forscher auf ein nahezu übereinstimmendes Alter beider Fossilien von 7,24 bzw. 7,175 Millionen Jahre. „Dies war der Beginn des sogenannten Messinium, an dessen Ende es zur Austrocknung des Mittelmeeres kam. (…) Mit dieser Datierung lässt sich die Trennung der Vormenschen- und der Schimpansen-Linie in den östlichen Mittelmeerraum verlegen“, so die Forscher.

 

Ähnlich wie bei der Theorie, nach der die ersten Vormenschen in Ostafrika entstanden sind, geht auch das Team um Böhme nun davon aus, dass eine dramatische Umweltveränderung zur Entstehung des Vormenschen geführt hat: Wie die Autoren der Studie anhand geologischer Untersuchungen an Sedimenten, aus denen beide Vormenschen-Reste geborgen wurden erläutern, sei die Sahara in Nordafrika bereits vor mehr als sieben Millionen Jahren entstanden:

Parallel zur Entstehung der Sahara in Nordafrika, habe sich – das zeigen die Wissenschaftler ebenfalls in ihren Arbeiten – in Europa eine Savannenlandschaft in ausgebildet. Das wiederum passe dazu, dass gemeinsam mit Graecopithecus Fossilien von Vorfahren der heutigen Giraffen, Gazellen, Antilopen und Nashörner gefunden wurden.

„Die Entstehung einer ersten Wüste in Nordafrika vor mehr als sieben Millionen Jahren und die zeitgleiche Ausbreitung von Savannen in Südeuropa könnten eine zentrale Rolle für die Trennung der menschlichen Stammlinie von der Abstammungslinie der Schimpansen gespielt haben“, so Böhme abschließend.

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Göbekli Tepe: Neue Interpretation der Tiersymbole bestätigt Kometeneinschlag als Auslöser einer Mini-Eiszeit vor 13.000 Jahren

Gesamtansicht des Grabungsfelds mit den Anlagen A–D, Zustand 2011.

Edingburgh (Großbritannien) – In einigen der Tiersymbole in den Steinstelen der steinzeitlichen Kultanlage Göbekli Tepe nahe Sanliurfa (Edessa) glauben schottische Forscher Reliefdarstellungen des Einschlags eines Schwarms von Kometenfragmenten auf der Erde vor 13.000 Jahren zu erkennen. Damit würden die Darstellungen kontroverse Theorien um eben einen solchen Einschlag als Ende einer vorgeschichtlichen Hochzivilisation bestätigen, deren Überlebende die Grundlage spätrer Hochzivilisationen weltweit gelegt haben sollen.

Wie Martin B. Sweatman von der University of Edinburgh und Dimitrios Tsikritsis aktuell im Fachjournal „Mediterranean Archaeology and Archaeometry“ (DOI: 10.5281/zenodo.400780) berichten, konzentriert sich ihre astronomische Interpretation auf eine der tonnenschweren Steinstelen, die wegen ihrer größten Darstellungen als „Vulture Stone“ (Stein des Geiers) bezeichnet wird.

Mit Hilfe von Computersimulationen haben die beiden Forscher die Tierdarstellungen auf dem Monolithen mit zeitgenössischen astronomischen Konstellationen und Ereignissen in Übereinstimmung gebracht und auf diese Weise auch dessen Fertigung auf das Jahr 10.950 v.Chr. datiert.

Hintergrund: Göbelki Tepe
Die erst in den 1990er Jahren ausgegrabene megalithische Anlage von Göbekli Tepe nordöstlich der türkischen Stadt Sanliurfa gilt mit einem Alter von mindestens 12.000 Jahren als ältester bekannter Tempel der Menschheit. Das Zentrum mehrerer Steinkreise bilden zwei aufwendig verzierte und parallel gegeneinander ausgerichtete T-förmige Steinpfeiler (s.Abb.). Sowohl diese Zentralpfeiler als auch viele Steine der sie umgebenden Steinkreise sind mit Darstellungen wilder Tiere verziert, darunter Füchse, Katzen, Wildschweine, Spinnen, Raubvögel, Schlangen und Skorpione. Die Anlage gleicht eigentlich am ehesten ähnlichen Bauwerken auf Menorca. Allerdings wurde Göbekli Tepe bereits rund 8.000 Jahre vor (!) diesen errichtet.

In den symbolischen Darstellung auf dem Stein sehen die Forscher neben den entsprechend datierenden Konstellationen auch die Darstellung eines Kometen sowie eines kopflosen Menschen, den sie als Symbol für eine die damalige Menschheit treffende Katastrophe mit vielen Toten deuten.

Zeitlich passt die auf der Theorie, dass die Tempelanlage auch als astronomisches Observatorium genutzt wurde beruhenden Interpretation der Darstellung eines Kometen-Desasters damit zum Beginn der sogenannte Jüngeren Dryaszeit und damit dem Beginn einer rund 1000 Jahre andauernden kleinen Eiszeit vor, die verschiedenen Modelle etwa in einen Zeitraum von 10.730–9700 v. Chr. datieren.

 

„Wie es scheint, kündet Göbekli Tepe damit unter anderem auch als Erinnerung an dieses katastrophale Ereignis, das zur damaligen Zeit vielleicht als ’schlimmster Tag‘ in der Menschheitsgeschichte wahrgenommen worden war“, spekuliert Sweatman. Die Darstellungen in den Steinen selbst waren wohl noch Jahrhunderte und Jahrtausende für die Menschen von großer Bedeutung – nicht zuletzt, da die Menschen von lange Zeit unter den Folgen des Einschlags direkt und indirekt zu leiden hatten.

Der „Vulture Pillar“ (Illu.).

Hinweise darauf, leiten die Sweatman und Tsikritsis aus der Deutung anderer Symbole auf weitren Steinen ab, aus denen sie Hinweise für Langzeitauswirkungen des Einschlags auf die Rotationsachse der Erde ablesen.

Über die astro-historische Deutung hinaus könnte diese Lesart auch jene gerade in jüngerer Zeit immer wieder kontrovers diskutierte oder gar als widerlegt bezeichneten Theorien stützen, nach der die Erde immer wieder Perioden durchläuft, innerhalb derer Kometeneinschläge und ihre desaströsen Folgen wahrscheinlicher sind als zu Zeiten, wenn unser Planet keine Kometenbahnen durchkreuzt und ein Kometeneinschlag vor rund 13.000 Jahren das Aussterben der Megafauna eingeläutet haben könnte

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Haben russische Forscher den Code des Voynich-Manuskripts geknackt?

Blick ins das sog. Voynich-Manuskript in der Beinecke Rare Book & Manuscript Library, der Yale University.
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Moskau (Russland) – Das sogenannte Voynich-Manuskript bewahrt bis heute das Geheimnis über seinen Autor und Inhalt in bislang unentschlüsselter Form für sich und gilt deshalb den einen als „unlesbares Buch“ voller Rätsel – den anderen als sinnloser mittelalterlicher Schwindel. Russische Wissenschaftler präsentieren nun einen neuen Ansatz zur Entzifferung der mysteriösen rund 400 Jahre alten Schrift und glauben, dass des Rätsels Lösung in einer Mischung aus westgermanischen und romanischen Sprachen, ausgelassenen und Leerzeichen Vokalen besteht.

Wie die russische Nachrichtenagentur Ria Novosti berichtet, glauben die Forscher um Yuri Orlov vom Keldysh Institut für angewandte Mathematik an der Russischen Akademie der Wissenschaftennach einer eingehenden statistischen Textanalyse, dass das Voynich-Manuskript in kodierter Form zu rund 60 Prozent in Deutsch oder Englisch und zu 40 Prozent anderen in einer romanischen Sprache (Italienisch oder Spanisch) oder auch in Latein verfasst sei.

Der Grund, warum das Manuskript dann aber dennoch nicht ohne Weiteres lesbar und sich bislang sogar zahlreichen Bemühungen einer eindeutigen Entzifferung widersetzte, liegt nicht nur in dem Umstand der kodierten Schriftzeichen, sondern auch daran, dass der Autor zum einen die Vokale (A, E, I, O, U) als auch die Leerzeichen zwischen den Wörtern entfernt hatte und den so entstandenen neuen „Text“ mit neuen Leerzeichen durchsetzt hat.

ALLE MEINE ENTCHEN SCHWIMMEN AUF DEM SEE AND THEN THE STORY IS OVER
ALLE MEINE ENTCHEN SCHWIMMEN AUF DEM SEE AND THEN THE STORY IS OVER
LLMNNTCHNSCHWMMNFDMS SND THN TH STRY S VR
LLM NN TCHNS CHW MMNFD MSTHN THS TRY S VR
Aus eben diesem Grund zeigen sich die russischen Forscher dann aber auch pessimistisch darüber, dass das Voynicht-Manuskript heute überhaupt noch entziffert werden kann, solange der Schlüssel zu dieser Methode (siehe das obige Beispiel) nicht genau bekannt ist: „Ohne, dass man die ursprünglichen Vokale kennt, bleiben einfach viel zu viele mögliche Variationen übrig, als dass der volltständige Text richtig verstanden werden könnte.“

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