Erinnerungen an Nahtoderfahrungen sind „realer als real“

Detail aus „Der Flug zum Himmel“ (Hieronymus Bosch, etwa 1500).

Charlottesville (USA) – Ein wiederkehrendes Merkmal von Erinnerungen an Nahtoderfahrungen ist die Charakterisierung dieser Wahrnehmungen durch die Zeugen als „absolut real“ oder gar „wirklicher als die Wirklichkeit.“ Zwei langjährige Erforscher von Nahtoderfahrungen haben diese Beschreibungen nun mit einer Studie überprüft – mit einem erstaunlichen Ergebnis.

Wie Dr. Bruce Greyson vom Department of Psychiatry and Neurobehavioral Sciences an der University of Virginia und der Nahtodforscher Lauren Moore aktuell im Fachjournal „Consciousness and Cognition“ (DOI: 10.1016/j.concog.2017.03.003) berichten, sind „Nahtoderfahrungen meist sehr lebhafte, lebensverändernde Erfahrungen von Menschen, die dem Tode sehr nahe gekommen sind.“

Skeptiker einer metaphysischen Deutung derartiger Erfahrungen und Erlebnisse verweisen gerne auf dem Umstand, dass sog. Nahtoderfahrungen meist in Verbindung zu Situationen entstehen, in denen die Patienten einen Herzstillstand erlitten haben, wie er oft mit kurzfristigem Gedächtnisverlust erinhergeht, unter Einfluss von – teilweise sogar potentiell psychoaktiven – Medikamenten und grundsätzlich traumatischen Faktoren standen. Hinzu erinnern sie viele Nahtodzeugen erst vergleichsweise lange Zeit später an ihre Erlebnisse – ein Faktor, der für gewöhnlich die Lebendigkeit von Erinnerungen reduziert.

„Im Gegensatz zu derartigen Zweifeln, stellen die Zeugen selbst die Wahrhaftigkeit ihrer Erlebnisse nur höchst selten in Frage – beschreiben diese sogar für gewöhnlich als ‚realer als real‘ oder ‚realer als alles, was ich jemals erlebt hatte’“, erläutern die Autoren.

Um gerade diese Beschreibungen und damit die Frage zu untersuchen, ob es sich bei Nahtoderfahungen also um erfundene Erinnerungen oder reale Ereignisse handelt, befragten Greyson und Moore 122 Überlebende einer mit einer Nahtoderfahrung einhergehenden Nahtodsituation auf der Grundlage eines sog. Memory Characteristics Questionnaire (MCQ) mit dem sonst die Eigenschaften von falschen Erinnerungen untersucht und überprüft werden.

Die Teilnehmer an der Studie sollten den MCQ für drei unterschiedliche Arten von Erinnerungen ausfüllen: Die eigenen Nahtoderfahrung. Die Erinnerung an ein belegtes „reales“ Ereignis in zeitlicher Nähe zur Nahtoderfahrung und an eine in etwa zu gleichen Zeit spielende erfundene Erinnerung. Der Test basiert auf früheren Beobachtungen und Untersuchungsergebnissen, wonach Erinnerungen an reale Ereignisse meist mehr Wahrnehmungsinformationen (wie etwa an Farben oder Töne) und mehr kontextbezogene Informationen (Erinnerungen an die zeitliche und räumliche Umgebung), zudem mehr bedeutende und unterstützende Details (wie emotionale Informationen), dafür aber deutlich weniger bizarre Elemente beinhalten.

Das Ergebnis: Die MCQ-Werte der Erinnerungen an das Nahtoderlebnis lagen über denen an das „reale“ Ereignis, welches wiederum jenes der erfundenen Erinnerungen übertraf.

„Unsere Ergebnisse und Daten legen nahe, dass Erinnerungen an Nahtoderfahrungen von den Zeugen tatsächlich als realer als reale oder erfundene Ereignisse wahrgenommen werden. Die Ergebnisse zeigen, dass Nahtoderfahrungen nicht mit erfundenen (also falschen) Erinnerungen verglichen werden können“, so Moore und Greyson abschließend.

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