Neue Analyse: „Jordanische Blei-Bibeln“ doch keine moderne Fälschung

 

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Exemplar einer der „Blei-Bibeln“ aus dem Besitz von David und Jennifer Elkington

Guildford (Großbritannien) – Von christlichen Historikern und Theologen schnell als moderner Schwindel abgetan, zeigt eine aktuelle Untersuchung der auch als „Blei-Bibeln“ bezeichneten „Jordanischen Blei-Kodizes“ an der University of Surrey nun, dass zumindest einige der ringgebundenen Bücher aus Blei und Kupferplatten deutlich älter sind und die Eigenschaften antiker römischer Bleifunde aufweisen. Damit könnten sich nun doch erste Schätzungen bewahrheiten, wonach es sich bei den rund 70 Blei- und Kupferbüchern um einige der ältesten bislang bekannten und erhaltenen Niederschriften neutestamentarischer Texte handelt – datieren die Befunde zumindest die jetzt untersuchten Exemplare doch bis ins erste Jahrhundert n. Chr. und damit zur Zeit der Jünger Jesu.

Glaubt man der Fundgeschichte, so wurden die auch als „Umm al-Ghanam-Kodizes“ bezeichneten handgroßen Bleibücher zwischen 2005 und 2007 von Beduinen in einer Höhle nahe dem Dorf Saham in der Nähe von Hamat Gader/Umm Qais in Nordjordanien entdeckt und daraufhin das nordisraelische Umm al-Ghanam bei Nazaret geschmuggelt. Der Besitzer, der israelische Beduine Hassan Saida behauptete damals, die „Bücher“ seien vor hundert Jahren von seinem Urgroßvater gefunden worden. Nach dem Bekanntwerden des Funds bemühte sich die Jordanische Antiken-Verwaltung um eine Rückgabe.

Eine Reihe von Untersuchungen (unter anderem durch die Theologin Margaret arker von der Universität Cambridge, den Epigrafiker André Lemaire von der École Pratique des Hautes Études in Paris, den Judaisten James R. Davila von der University of St. Andrews, den Althistoriker Peter Thonemann von der Universität Oxford und den Aramaisten Steve Caruso von der Rutgers University) kam in der Folge zunächst zu der Einschätzung, dass „die Texte, Symbole und Abbildungen dilettantisch aus verschiedenen Inschriften zusammengestellt wurden. Die aramäischen Buchstaben sind paläografischen Beispielen aus einem Zeitraum von 800 Jahren entnommen, zeitlich vermischt und vereinzelt spiegelverkehrt verwendet. Die griechischen Teile wurden teilweise zusammenhanglos einer 1958 gefundenen Inschrift entnommen, die im Archäologischen Museum von Amman ausgestellt wird, und verwechseln oft die Buchstaben Alpha und Lambda. Die angebliche bildliche Darstellung Jesu mit „Dornenkrone“ kopiert eine 1987 gefundene Mosaikdarstellung der Venus (sog. „Galiläische Mona Lisa“) aus Sepphoris in Galiläa oder ähnliche Darstellungen des Sonnengottes Helios ‚im Strahlenkranz’“. (Quelle: Wikipedia) Kurz: Die Blei-Bücher seien eine moderne Fälschung unter möglicher Verwendung alter Materialien.

– Zahlreiche Indizien für einen Schwindel haben Kritiker der „Blei-Bibeln“ als archäologische Artefakte auf dieser Webseite zusammengetragen.

Jetzt wurden einige Exemplare der „Blei-Bibeln“ am Ion Beam Centre der University of Surrey untersucht. Hierbei stellte das Team um den Direktor des Instituts, Professor Roger Webb, fest, dass anhand der Proben keine davon ausgehende radioaktive Strahlung festgestellt werden konnte, wie dies aufgrund atmosphärischem Poloniums für moderne Bleiproben charakteristisch ist.

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Seitenansicht aus einem der Blei-Bücher.

„Die untersuchten Proben sind somit mindestens hundert Jahre alt“, zitiert die Pressemitteilung der University of Surrey die Wissenschaftler. „Stattdessen gleich die Ergebnisse denen von antiken römischen Bleiproben, wie die bei Ausgrabungen in Dorset entdeckt wurden.“

„Da keine Alpha-Partikel-Emissionen festgestellt werden konnten, bestätigen unsere Untersuchungen, dass das Blei der untersuchten Bleibücher nicht einer modernen Herstellung entstammt, da es keine messbaren Spuren des Blei-Isotops 210 aufweist.“

Des Weiteren zeige der Umstand, dass Schrift, Symbole und Darstellungen auf den Seiten erhaben und nicht eingraviert sind, dass es sich bei besagte Platten um Abgüsse handelt. „Das wiederum bedeutet, dass sowohl Schrift als auch die Symbole nicht nach der Herstellung und damit später hinzugefügt worden sein konnten.“

Damit bestätigt auch die aktuelle Analyse die Ergebnisse der Massenspektrometrie (Partikel-induzierte Röntgenemission, PIXE), die 2012 am Nodus Centre zur Ermittlung der metallurgischen Zusammensetzung, die ebenfalls gegen einen modernen Ursprung der Platten sprach.

Die Pressemitteilung der Universität führt weiter aus, dass auch Analysen des unabhängigen Experten Mathew Hood, der die Kodizes seit 2009 untersucht, feststellt, dass der Korrosionsgrad, wie er auf einigen Seiten zu der Kodize-Sammlung zu finden ist, ein „starker Hinweis für ein hohes Alter (von mehreren Jahrhunderten) der Artefakte“ sei. Dieser Effekt sei auch nicht nachträglich (etwa durch die beschleunigte Alterung durch Erhitzung) von Bleiobjekten, herbeizuführen. „Das wiederum stimmt mit einigen Textstudien überein, die ein Alter der Bücher von rund 2000 Jahren nahe legen“, so die Pressemitteilung.

Für die beteiligten Wissenschaftler ist mittlerweile eindeutig, dass keine der bislang vorgebrachten Behauptungen, es handele sich um Fälschungen, angesichts der wissenschaftlichen Analysen aufrecht erhalten werden können: „Die Jordanischen Blei-Kodizes weisen stattdessen deutliche Belege dafür auf, dass sie ins erste und zweite Jahrhundert datiert werden können. Linguistische Analysen haben gezeigt, dass es sich um die ältesten hebräisch-christlichen Dokumente überhaupt handeln könnte.“

04442Zeigt diese Abbildung aus einer der „Blei-Bibeln“ das älteste Porträt Jesu?

Einige Forscher, darunter die Autoren Jennifer David Elkington, die sich seit 2009 um die Sicherung und Anerkennung der Bleibücher als archäologische Sensation einsetzen, gehen in ihrer Interpretation einiger Inhalte sogar noch einen Schritt weiter und erklären, dass darin bislang unbekannte Lehren Jesu beschrieben werden. Zudem habe Jesus in Wirklichkeit keine neue Religion gründen, sondern den damals rund tausend Jahre alten Ritus des Salomonischen Tempels aus der Zeit König Davids wiederbeleben wollen. Inhalt der Verehrung sei eine ebenso männliche- wie weibliche Gottheit gewesen. Eine offizielle oder gar akademische Bestätigung dieser Lesart liegt bislang noch nicht vor.

Auf der Grundlage der neuen Analysen der University of Surrey hofft nun nicht nur Elkington auf eine neue Diskussion um das Alter und Inhalte der Jordanischen Blei-Bibeln, deren historische wie theologische Bedeutung einige Forscher und Wissenschaftler schon jetzt höher einschätzen, als die der Schriftrollen vom Toten Meer.

 

Kurzgefasst
– Neue Analysen der 2005-07 in Jordanien gefundenen „Blei-Bibeln“ an der University of Surrey legen nahe, dass es sich doch nicht um moderne Fälschungen handelt.
– Statt dessen stützten die Ergebnisse frühere Einschätzungen, dass die ringgebundenen Blei- und Kupferbüchlein sogar die ältesten neutestamentarischen Dokumente überhaupt sein und sogar noch aus der Zeit der Jünger Jesu stammen könnten.
– Sollte sich diese Einschätzung bestätigen wäre der Fund aus archäologischer wie theologischer Sicht eine wahre Sensation und noch bedeutender als die Qumran-Schriftrollen vom Toten Meer.

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Eine Antwort zu Neue Analyse: „Jordanische Blei-Bibeln“ doch keine moderne Fälschung

  1. gunst01 schreibt:

    Blei ist in der Alchemie ja auch das perfekte Material um es in Gold zu verwandeln Den alten Lehren zufolge besteht es aus einem innernen Gegensatz. In ihm ruht entweder die Taube des Heiligen Geistes, oder ein böser Dämon. In diesem Fall lässt sich natürlich ersteres besser zu Gold verwandeln.

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