Geheimnis in Nevada: Was geschieht auf Area 6?

Andreas von Rétyi

Wer kennt sie nicht, die berühmteste Geheimbasis Area 51? Tatsächlich hat fast jeder schon von dieser von der Außenwelt weitgehend abgeschotteten Testanlage im US-Bundesstaat Nevada gehört. Hier werden fortschrittlichste militärische Luftfahrttechnologien erprobt, Gerüchten zufolge sogar Fluggeräte aus einer anderen Welt. Fakt ist: Die Geheimhaltung ist bis heute beispiellos. Doch gibt es weit mehr Verborgenes auf dem gigantischen Testgelände von Nevada. In letzter Zeit ist auch viel von Area 6 zu hören. Was geht dort vor sich?

Seit Jahrzehnten bildet der US-Bundesstaat Nevada das Zentrum supergeheimer militärischer Projekte. Verborgen hinter hohen Bergzügen erstrecken sich meilenweit die verschiedensten Testeinrichtungen und Experimentalanlagen, teils Relikte höllischer nuklearer Versuchsszenarien, teils weiterhin hoch aktive Militärbasen, auf denen modernste Fluggeräte erprobt werden – Kinder der legendären »Schwarzen Welt«.

So bleibt diese Gegend bis heute voller Geheimnisse. Für mich verbinden sich viele sehr direkte, persönliche Erinnerungen an zuweilen doch recht spannende Zeiten dort, als ich für meine Bücher über die Area 51 und die Schwarze Welt über viele Jahre hinweg häufig und anhaltend vor Ort war, um neue Ergebnisse zu erzielen und Hintergründe aufzudecken – darunter auch, wer die eigentlichen Betreiber hinter den Kulissen sind, welchen Namen Area 51 wirklich trägt und welche Veränderungen sich auf der Basis abspielen.

So entstanden dann unter anderem nach einer zusätzlichen Landnahme durch das US-Militär auch die ersten hochaufgelösten Teleskopaufnahmen der Teststätte von neuen Blickpunkten, Bestandsaufnahmen der Überwachungstechnologie und zahlreiche Aufzeichnungen über die ungewöhnlichen Flugaktivitäten in dieser Region. Zahlreiche zivile sowie auch militärische Zeugen berichteten mir aus erster Hand, was sie erlebt hatten. Und über die Jahre stapelte sich das Material über eine Militäranlage, die offiziell gar nicht existierte.

Bemerkenswerte Gespräche und Sichtungen, Begegnungen mit der Area-51-Security, ein bizarres Katze-und-Maus-Spiel, direkte Beobachtungen von Geheimprojekten und zahllose durchwachte Wüstennächte unter klarem Sternenhimmel mischen sich in der Erinnerung zu einem nachhaltigen Gesamtbild.

Allmählich wurde mir die Gegend immer besser vertraut, auf ganz eigene Weise entwickelte sich bei jedem neuerlichen Besuch ein merkwürdig heimatliches Gefühl. Schließlich lag auch viel Faszination in der Naturlandschaft dort, die ihre Vielfalt nicht immer sofort offenbart. Das Geheimnisvolle herrscht irgendwie überall vor. Und doch war da auch jene Feindseligkeit, definiert durch zahlreiche Überwachungsmaßnahmen und eine kaum sichtbare Grenze, die das öffentliche Land vom Sperrgebiet abschottet wie der Ereignishorizont das Schwarze Loch.

Hier war und ist es eben die Schwarze Welt, die hinter der ultimativen Front beginnt – Dreamland oder auch das »Rote Quadrat«, ein immerhin etwa 35 auf 40 Kilometer großer Wüstenabschnitt im Nirgendwo.

In der gigantischen Sperrzone, die einen weiten Teil Südnevadas einnimmt, »schlummern« allerdings noch weit mehr Geheimnisse als die Area 51. Heute kann sich jeder per Google Earth einen Überblick über diese Region verschaffen, auch die Geheimbasis ist ganz offen zu sehen – und trotzdem bleibt verborgen, welche Projekte sich hier aktuell in der Entwicklung befinden. In den vergangenen Jahren wurde die Basis am Groom Dry Lake stark ausgebaut, die Aktivitäten sind extrem hoch. Weiter westlich erstreckt sich ein riesiges Kraterfeld, das an die Ära oberirdischer Nukleartests erinnert. Überall in der weiten Gegend finden sich seltsame militärische Anlagen, deren Sinn und Zweck sich keineswegs immer erschließt.

Namen wie »Plutonium Valley«, »Skeleton Hills« oder »Skull Mountain« klingen auch nicht gerade einladend. Meilenweit im Südwesten der Area 51 findet sich die Atomstadt Mercury. Dort liegt auch Indian Springs / Range 63, seit 2005 die Creech Air Force Base als Drohnen-Steuerzentrale. Kurz gesagt: Militär, wohin das Auge blickt.

Tief in der Nevada National Security Site, rund 120 Kilometer nordwestlich von Las Vegas, erstreckt sich in der Einsamkeit von Yucca Flat eine asphaltierte Rollbahn, die ebenfalls 2005 angelegt wurde. Das Gelände wurde in den 1950ern ebenfalls für Atombombentests genutzt. An diese Piste schließt sich ein kleinerer Gebäudekomplex an, dominiert von einem großen Hangar mit Toren, die einer Muschel ähneln. Dieser Abschnitt der Nevada Test Site ist als »Area 6« bekannt, trägt aber keinen offiziellen Eigennamen.

Und nur wenige wissen von der Existenz dieser Anlage. Und das, obwohl sie ganz anders als Area 51 sogar von außen einsehbar ist. Die einige Kilometer nordöstlich beginnende Geheimbasis am Groom Lake scheint der Area 6 allein durch ihren Nimbus sofort den Rang abzulaufen und stellt sieunmittelbar in den Schatten. Natürlich macht eine bis zur Anwendung tödlicher Gewalt strengstens bewachte militärische Basis weit neugieriger als ein Gebäudekomplex, der vom Highway aus sichtbar ist.

Und doch bleibt auch Area 6 noch geheimnisvoll genug. Niemand kann oder will sagen, was dort vor sich geht. Nur einige fragmentarische Informationen sind bisher durchgedrungen. Während frühere Aufgabenstellungen auf Area 6 mit den Nukleartests in Verbindung standen, geht es laut Darwin Morgan um die Nutzung des Geländes im Dienste des US-Heimatschutzministeriums. Details lässt Morgan, seines Zeichens Sprecher der National Nuclear Security Administration, kaum durchblicken. Er erklärt aber: »Sie kommen hierher, um ihre eigenen Sensoren zu testen.«

Doch die 2005 entstandene Rollbahn lässt noch andere Aktivitäten vermuten. Nicht umsonst kursierte schon vor etlichen Jahren die Information, dass auf Area 6 auch Drohnen getestet werden. Die Website Flightglobal zitierte eine fünfzeilige Beschreibung des Areals als »aerial operations facility« und somit als Einrichtung für Einsätze im Luftraum. Mehr ging aus der Quelle, einem insgesamt stolze 7500 Seiten umfassenden Bericht zum vorgeschlagenen Yucca-Nuklear-Endlager, nicht hervor.

So heißt es dann: »Der Zweck dieser Anlage besteht darin, eine Vielzahl unbemannter Luftfahrzeuge zu konstruieren, einzusetzen und zu testen. Die Erprobungen schließen strukturelle Modifikationen, Sensor-Operation und die Entwicklung von Bordcomputern mit ein, sind aber nicht darauf beschränkt. Ein kleines bemanntes Jagdflugzeug wird dazu genutzt, die unbemannten Flugzeuge zu verfolgen.« Die Finanzierung der Area 6 und ihrer Programme bleibt im Umfang diffus, versteckt sie sich doch im Strategischen Partnerschaftsprogramm als Teil des Nevada Field Office mit seinem 622-Millionen-Dollar-Jahresetat (2015).

Programmaktivitäten schließen ein sehr weites Feld ein, inklusive Erforschung und Entwicklung von Sensoren zum Nachweis von Explosivstoffen, tödlichen Gasen und Chemikalien oder auch radioaktiven Materials, wie es in »schmutzigen Bomben« Verwendung findet. Tragbare Strahlungsdetektoren und verschiedene an Flughäfen eingesetzte Sensoren stammten aus dem Programm. Die Sensoren sammeln Morgan zufolge Daten in Sekundenbruchteilen.

Der kontrollierte Luftraum von Area 6 biete überdies die Möglichkeit, verschiedene Typen von Fluggeräten zu testen. Verantwortlich für den Bau der Rollbahn und ihres Vorfeldes sei der ebenfalls sehr verschwiegene und schon lange mit Area 51 wesentlich verbundene Bechtel-Konzern gewesen. Der Gebäudekomplex sei über Jahre hinweg errichtet worden, wobei keine Informationen zu den Kosten veröffentlicht werden.

Area 6 werde so unauffällig gehalten, dass selbst US-Sicherheitsexperten oft erklärten, nichts über diese Einrichtung zu wissen. So erklärt auch John Pike von GlobalSecurity.org: »Ich habe nichts davon gehört.« Das sollte sich bald ändern. Wie sein Bildanalytiker Tim Brown erklärt, reicht der Hangarkomplex von Area 6 dazu aus, rund 15 MQ-9-Reaper-Drohnen zu beherbergen, die Piste sei für Predators und Reapers ausreichend, während größere Drohnen wie der RQ-170 Sentinel vom Tonopah Test Range im Norden geflogen werden.

Die auf Area 6 eingesetzten Drohnen seien am besten für die Überwachung und Enttarnung verdeckter Ziele, Waffen oder Personen geeignet, so Pike. Das Wüstenterrain jener Gegend ähnele dem Hinterland Libyens. Es gebe wohlbegründete Sorgen, dass sich in solchen Gebieten auch »Übeltäter herumtreiben – IS und al-Qaida«. Und es gebe vor allem wohl keinen geeigneteren Platz, sich dafür zu wappnen und geeignete Gegenmaßnahmen zu ergreifen, als das Gebiet von Area 6, so fügt er hinzu.

Wer sich in der Region aufhielte, würde wohl am ehesten mit dem Auftauchen von Reaper-Drohnen rechnen müssen, ihrerseits ausgestattet mit Hunderten von Minikameras, um über weite Gebiete jede Bewegung simultan zu registrieren.

Laut Informationen der DARPA hat die Sensorentwicklung unter dem ARGUS-Projekt wieder einen gewaltigen Sprung nach vorne gemacht, jenem Programm zur autonomen Rundum-Bodenüberwachung in Echtzeit (Autonomous Real-time Ground Ubiquitious Surveillance). Hinzu kommt noch eine Infrarot-Überwachung im Rahmen von ARGUS-IR. Genau diese Aktivitäten könnten laut Pike auf Area 6 stattfinden. Was noch alles dort geschieht, bleibt allerdings bis heute im Verborgenen.

 

 

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