Neuseeland: Rätselhafter nächtlicher Donner

Andreas von Rétyi

Seit einigen Wochen werden unterschiedliche Regionen Neuseelands von mysteriösen nächtlichen Donnerschlägen heimgesucht. Sie ereignen sich meist in der Stunde zwischen 22 und 23 Uhr und lassen sich kaum durch natürliche Vorgänge erklären. Forscher stehen vor einem Rätsel.

Zahlreiche Zeugen der nordwestlich von Wellington liegenden Mittelstadt Whanganui berichteten unlängst von einem lauten Knall, ähnlich einem dumpfen Donnerschlag, der aus unbestimmter Quelle stammte und sogar Häuser erzittern ließ. Tatsächlich werden diese Aussagen auch durch geologische Messungen bestätigt: Die Erschütterungen lagen laut Aussage des lokalen Seismologen John Ristau klar über dem üblichen »Hintergrund«-Niveau, doch gewöhnliche Erdstöße scheinen nicht der Auslöser gewesen zu sein.

Im Lauf der letzten Wochen kam es wiederholt zu ähnlichen Ereignissen. So meldeten Bewohner von Auckland und der umliegenden Gebiete ebenfalls bereits nächtliche Donnerschläge, die genau wie der Whanganui-Vorfall zwischen 22 und 23 Uhr eintraten. Geriet anfangs noch ein Feuerwerk in Verdacht, die Explosionsgeräusche verursacht zu haben, da Hülsen von Feuerwerkskörpern auf einem Friedhof in der Nähe von Hillsborough gefunden wurden, folgten bald neue Donnerschläge, ohne dass irgendwo Knallkörper in die Luft flogen.

Nachdem keine befriedigenden offiziellen Erklärungen bekannt wurden, begannen einige Anwohner darüber zu spekulieren, ob nicht vielleicht das im Januar begonnene Central Interceptor Project der in Auckland residierenden Organisation Watercare für die Detonationsgeräusche verantwortlich sein könne. Im Zuge dieses Projekts werden umfangreiche geotechnische Arbeiten durchgeführt, insbesondere Tiefbohrungen und Versuchsgruben nahe den Zugangsschächten für die neue Pipeline. Geplant ist ein 13 Kilometer langer Tunnel zum Transport von Abwasser. Er soll zwischen 30 und 110 Meter tief liegen, wobei an insgesamt rund 50 verschiedenen Örtlichkeiten gearbeitet wird. Der eigentliche Baubeginn ist für 2017 angesetzt, im Jahr 2023 soll das Projekt abgeschlossen sein.

Ein Sprecher von Watercare schloss jeden Zusammenhang zwischen den Bohrarbeiten und den lauten Donnerwahrnehmungen der letzten Wochen aus. Die Anwohner sind verunsichert, sie wollen endlich wissen, was hier vor sich geht. »Viele von uns haben sich umgehört, aber niemand scheint uns auch nur irgendetwas zu sagen«, so beschwert sich eine Zeugin. »Wenn aber jemand die fehlenden Infos kennt und sie uns mitteilt, das wäre einfach fantastisch!«, fügt sie schnell hinzu.

Mit wachsender Zahl der seltsamen Donnerschläge fallen nun allmählich doch die einen oder anderen Gemeinsamkeiten auf. Diese Detonationen ereignen sich nicht nur vorwiegend im erwähnten nächtlichen Zeitfenster, sondern werden vor allem in Küstengebieten wahrgenommen.

Ähnliche Vorfälle sind auch aus anderen Regionen der Erde bekannt. An der US-Ostküste gab es während der 1970er-Jahre eine Serie unerklärlicher Donnergeräusche. Weit verbreitet war damals der Glaube, Überschallflüge der Concorde jenseits des Festlands lösten diese lauten Ereignisse aus. Wie Jeremy Stone von der Federation of American Scientists feststellte, sorgten ungewöhnliche meteorologische Bedingungen dafür, dass der Donner des Überschallknalls nochweit ins Inland getragen wurde.

Bekannt sind natürlich viele andere Vorfälle, die häufig mit geheimen Testflugzeugen in Verbindung gebracht wurden, vor allem auch mit dem Aurora-Projekt, einem bis heute nicht sicher bestätigten Hyperschallflugzeug mit Puls-Detonations-Antrieb (Pulsstrahltriebwerk, Pulsjet, PDWE).

Mysteriöse, explosionsartige Schallgeräusche aus dem US-Bundesstaat Kalifornien wurden unter anderem von Forschern des weithin bekannten California Institute of Technology (CalTech) untersucht und ebenfalls mit Überschallflugzeugen in Verbindung gebracht.

Allerdings bezweifeln etliche Autoren, dass sich diese Ereignisse pauschal damit erklären ließen. So ganz dürfte das nach herkömmlicher Logik wohl wirklich nicht passen. Denn: Ähnliche akustische Effekte wurden bereits in viel früheren Zeiten wahrgenommen. So auch von den beiden amerikanischen Expeditionsreisenden Captain Meriwether Lewis und Leutnant (»Captain«) William Clark, die zwischen 1804 und 1806 die erste US-Überlandexpedition zur Pazifikküste und wieder zurück durchführten und damals zeitweilig Geräusche wie von starken Sprengungen vernahmen. Doch nirgends gab es entsprechende Hinweise, und natürlicher Donner schied als Erklärung für das Phänomen ganz offenbar aus – das Wetter war »perfekt ruhig, klar, und keine Wolke ließ sichblicken«, so notierte damals Captain Lewis und fügte resignierend hinzu: »Ich weiß einfach nicht, wie man dieses Phänomen erklären soll.«

Heute gäbe es dafür etliche Möglichkeiten, von denen zu jener Zeit keine Rede sein konnte. Abgesehen vom Überschallknall gehen die Deutungen von geheimen militärischen Versuchen über Geo-Engineering bis hin zu Chemtrails, möglicherweise sogar in Kombination mit dem berühmt-berüchtigten HAARP-Projekt, dessen Harmlosigkeit nie unter Beweis gestellt wurde, während einige bemerkenswerte Vorgänge und Fakten rund um die riesige Antennenanlage in Gakona, Alaska, so manche Befürchtungen nahelegen.

Kritiker befürchten eine hochriskante Beeinflussung der irdischen Hochatmosphäre. Zudem zirkulieren unter anderem Vermutungen, in der Atmosphäre würden absichtlich Bahnen fein verteilter Schwermetalle verteilt, um Radarwellen zu reflektieren und damit komplette Wettermuster zu verändern. HAARP sei möglicherweise in der Lage, über eine Wirkung auf die Hochatmosphäre auch die Erdkruste zu beeinflussen und Beben auszulösen, in Umkehr einer geophysikalischen Kopplung zwischen Erdkruste und Ionosphäre. Und die derzeit über Neuseeland vielfach vernommenen, bislang unerklärlichen Donnerschläge? Gehen sie ebenfalls auf HAARP oder verwandte Projekte zurück oder sorgen natürliche Prozesse für dieses Phänomen?

Eine aktuelle Theorie versucht ähnliche Schallerscheinungen aus der Region des Roten Meeres durch geologische Aktivitäten innerhalb der Erdkruste zu erklären. In der Region um das Rote Meer nehmen Beduinen seit Jahrhunderten seltsame Donnergeräusche wahr. Sie sprechen sie als »Abu Dabbab« an, in etwa »Vater des Pochens«. Wissenschaftler glauben, die Erklärung dafür gefunden zu haben. Im Grunde läuft ihre Deutung auf hochfrequente Erdbebengeräusche hinaus, erzeugt von einem riesigen, mehrere 100 Millionen Jahre altem vulkanischen Gesteinsblock.

Die Frage ist nur: Lässt sich die vielleicht auf das Rote Meer zutreffende geologische Deutung so schlicht und einfach auf Ereignisse in anderen Regionen der Erde übertragen? Das ist sicherlich nicht der Fall.

Denn es wäre schon sehr seltsam, wenn sich solche Vorgänge nach der Uhr richten und daher, wie in Neuseeland, so gut wie immer in der Stunde zwischen 22 und 23 Uhr auftreten. Und so bleibt am Ende doch festzuhalten: Was derzeit dort vor sich geht, lässt sich derzeit keineswegs sicher erklären.

 

 

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