Forschung: Kann man neue Menschen mit 3D-Druckern reproduzieren?

Andreas von Rétyi

Der Traum der bemannten Raumfahrt könnte schnell ausgeträumt sein. Dann, wenn sich herausstellt, dass der Mensch für derlei Flüge nicht tauglich ist. Trotzdem denkt man über die Besiedlung der Galaxis nach. Die futuristischen Pläne sind durchaus realistisch.

Mond / 3D Drucker / WISSENSCHAFT

Nur unabhängig von der Erde kann die Menschheit ihr Erbe erhalten. Ob sie es auf der Bühne des Universums wert ist, steht dabei nicht zur Debatte. Der Mensch kann noch keinen Vergleich zu anderen Zivilisationen ziehen. Aber eines steht fest: Er will überleben. Und erweist sich dabei selbst als sein ärgster Feind. Unser Planet und das gesamte Leben auf ihm kann dadurch schlimmstenfalls vernichtet werden. Doch ganz abgesehen von einer möglicherweise »anthropogenen Endzeit« zieht die Natur selbst ihre deutlichen Grenzmarkierungen. Nichts hält ewig – der Mensch wird
weiterhin eine Evolution erleben und sich vielleicht selbst überholen; unser Planet ändert sich, auch seine Bahn im Sonnensystem ist langfristigen Variationen unterworfen, und nicht zuletzt wird selbst die Sonne nicht immer und ewig leuchten.

Wirklich alles verändert sich, sogar der Kosmos als Ganzes. Einzig beständig ist die Vergänglichkeit. Im 21. Jahrhundert will der Mensch seine Heimat verlassen und auf fremden Planeten siedeln. Allerdings beschleicht einige Experten eine ungute Ahnung: Es könnte schief gehen.

Denn der Mensch ist nicht für den Weltraum gemacht. Recht schnell bildet sich Muskelmasse trotz aktiver Gegenmaßnahmen zurück, das Skelett verliert an Tragfähigkeit, Astronauten leiden unter Schlafstörungen, Kopfschmerzen oder auch psychischen Problemen. Auch die erhöhten Strahlungseinflüsse im Weltraum bereiten Probleme. Schon Reisen innerhalb des Sonnensystems dürften den Menschen bald über seine physischen Grenzen führen. Raumfahrtmediziner befürchten, dass Menschen einen Langzeit-flug zum Mars nicht unbeschadet überstehen werden.

Bei der Landung wären so geschwächt, dass sie selbst unter der dort reduzierten Schwerkraft zahlreiche Knochenbrüche erlitten. Sie könnten ihre Aufgaben wahrscheinlich niemals erfüllen. Auf aktuellen Fachkonferenzen haben sich Experten über exotisch klingende Möglichkeiten ausgetauscht, unsere Galaxis zu kolonisieren. Sie halten es für machbar, menschliche Gene mittels hochresistenter Bakterien zu fernen Planeten zu entsenden und dort auf verschiedenen Wegen wieder zu einem kompletten Genom zu vereinen.

Diese Aufgabe müssten Roboter übernehmen. Ziel wäre es, alle molekularbiologischen Daten durch das All zu transportieren, um auf neuem »Nährboden« möglichst exakte Kopien des Menschen zu schaffen. Über dieses Thema wurde unlängst bei »The Future Is Here« (»Die Zukunft ist da«), dem wissenschaftlichen Festival des Smithsonian Magazine, in Washington diskutiert. Ebenso auf dem Genetiksymposium im März 2014 an der Genetikabteilung der Harvard Medical School.

Die Erde als kosmisches Treibgut

Unsere »Milchstraße« – sie ist nur eine Galaxie unter Billionen anderen. Doch bereits innerhalb dieser rund 100000 Lichtjahre messenden Sternspirale liegen die Distanzen jenseits des Vorstellbaren. Allein, um die näheren Sterne im Umkreis von »lediglich« 100 Lichtjahren zu erreichen, sind mit konventioneller Technologie
utopische Zeiträume erforderlich. Ein Überschalljet hätte bei ununterbrochenem Flug erst nach rund 60 Millionen Jahren die Grenze des besagten Gebiets erreicht. Er hätte also bald nach dem großen Dinosauriersterben starten müssen, um in der Gegenwart am Ziel einzutreffen. Altbekannte Konzepte sehen daher riesige Generationen-Raumschiffe vor, die modernen Archen gleich durchs All
ziehen. Auf ihnen würden Menschen geboren, dort leben und sterben, Generation um Generation. Eine künstliche Erde als kosmisches Treibgut, um nach und nach ferne Planeten zu besiedeln. Diese galaktische Flaschenpost wird schon geplant.

Das Leben entstand nicht auf der Erde

Die Idee, auch Bakterien als winzige Biosphären in die Tiefen des Alls zu entsenden, erscheint absurd. Und doch spricht einiges auch für diese Realisierbarkeit. Vordenker nennen das »Panspermie«. Demnach kamen nicht nur die Grundbausteine des Lebens, sondern auch das Leben selbst aus dem Weltraum auf die Erde, um hier als kostbare Saat aufzugehen. Die Erforschung von Mikroorganismen belegt, dass primitives Leben unter den ungewöhnlichsten Bedingungen gedeihen kann, sogar im Weltraum. Biologische Experimente auf der Internationalen Raumstation ISS lieferten hierzu wichtige Erkenntnisse. Bei Großereignissen, ausgelöst durch Asteroiden und Kometen, wird planetares Material weit ins All hinausgeschleudert. Nicht anders erklären sich Meteoriten, die mit höchster Wahrscheinlichkeit vom Mars stammen. Es ist gut möglich, dass irdisches Material einst bei Großeinschlägen ins All ausgeworfen wurde, um irgendwann als Meteorit zurückzukehren. Kein Wunder, wenn dann fossile Körperchen in einem solchen Stein entdeckt werden. In diesem Falle wären sie über den Umweg Weltraum ins Labor der geradezu elektrisierten Wissenschaftler gelangt und wären rein irdischen Ursprungs.

Für die Marsmeteoriten dürfte diese Deutung jedoch kaum genügen. Tatsache ist, dass Gesteinstrümmer durchs »planetare Tennis« von einer Welt zur nächsten transportiert werden können. Unsere Erde könnte ebenfalls schon lange biologisches Material weit ins All verfrachtet haben. Es wäre also gar keine wirkliche Überraschung, sollten Robotersonden irgendwann einmal irdische Fossilien auf dem Mars finden. Sie hätten dann irdisches Meteoritengestein auf dem Roten Planeten entdeckt – »reverse Panspermie«. Forscher mit Weitblick haben die Vermutung geäußert, die Saat des Lebens könne einst sogar ganz gezielt zur Erde befördert worden sein. In unbestimmter Zukunft könnte der Mensch selbst
gefordert sein, diese Saat weiterzutragen, aus welchen Gründen auch immer. Nicht Astronauten in Raumanzügen, sondern Bakterien wären dann die geeignete Spedition, so meint Adam Steltzner, leitender Ingenieur des Marsrovers. Die Mikroben könnten Segmente menschlicher DNA in sich tragen und das Überleben im All sichern. Tatsächlich sind inzwischen viele führende Wissenschaftler davon überzeugt, dass die Menschheit langfristig nur durch eine Kolonialisierung des Raumes überleben kann. Kolonialisierung oder Infektion des Alls? Als Väter des Gedankens, die menschliche DNA mittels Bakterien zu anderen Welten zu befördern, gelten die beiden Harvard-Biologen Gary Ruvkun und George Church.

Menschen aus dem 3D-Drucker armprothese-3d-drucker

Das Erbgut ist ein hervorragender und langlebiger Speicher, der sich als interstellarer Datenträger offenbar gut eignet. Das größere Problem: Was geschieht nach der Ankunft? In der fremden Welt müsste entweder eine natürliche Evolution angekurbelt oder aber eine autonome Maschine aktiv werden, ein System, das fähig wäre, zelluläres und höheres Leben und sogar ein Abbild des Menschen zu erzeugen. Sie würde den Menschen nach dem ihr gegebenen Bild schaffen, nach einer genetischen Blaupause. Der Apparat wäre also ein biologischer 3D-Drucker, der Menschen druckt. Darüber denken die NASA, die DARPA, Icarus Interstellar und die Foundation for Enterprise Development tatsächlich gemeinsam im Rahmen des Starship Project nach. Bis zum Jahr 2112 soll ein bemannter Interstellarflug realisiert werden. Und der kontroverse US-Biologe Craig Venter arbeitet bereits an »biologischer Téléportation«, einem Konverter, der eine DNA-Datei dazu nutzt, um eine Lebensform andernorts wieder entstehen zu lassen. Nach Venters Ansicht könnte ein künftiger Rover, der Mikroben auf dem Mars aufspürt, digitale Kopien ihres Genoms zur Erde funken, um diese außerirdischen Lebensformen hier unmittelbar »aus-drucken« zu können. Umgekehrt müsste das gleichfalls funktionieren.

So könnte es irgendwann geschehen, dass Menschen irgendwo auf einer anderen Welt in den Tiefen des Alls eine neue menschliche Zivilisation »ausdrucken«.

Ist dies in grauer Vorzeit auch hier auf der Erde geschehen?

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Eine Antwort zu Forschung: Kann man neue Menschen mit 3D-Druckern reproduzieren?

  1. Roland schreibt:

    DNA ist nur kurze Zeit im All überlebensfähig. Grund hierfür ist die kosmische Strahlung, welche nach ca. 30 Jahren z.B. eine menschliche DNA so stark geschädigt hat, daß das Produkt nicht mehr überlebensfähig wäre.

    Daher funktioniert auch die Panspermienidee nicht, welche das eigentliche Problem der Lebensentstehung nur an einen anderen Ort verschiebt.

    Leben ist eben nicht nur eine geordnete Ansammlung von ein paar Atomen, welche man mit einem 3D-Drucker zusammenfügen könnte. Leben, selbst das allerkleinste, ist mit dem unfaßbaren Geist, also Intelligenz, versehen.

    Die Lebensschöpfung ist „leider“ eine absolut sichere Tatsache und damit auch der Schöpfer. Diese Aussage hat mit Religion und Glaube nichts zu tun. Diese beiden Elemente dienen nur der Unterdrückung des Menschen und bewirken letztlich immer nur Angst und geistige Unfreiheit.

    Bei all diesen Phantasien müssen wir aufpassen, ob sie aus Unkenntnis oder absichtlich geäußert werden.

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